Wintergarten und EnEV

Solare Energiegewinne effektiv nutzen - Wintergarten und EnEV 2014

                                         Wintergarten und EnEV

 

Der Wintergarten - eine hocheffektive Solaranlage

Der Wintergarten ist eine hocheffektive Solaranlage mit solaren Energiegewinnen im Kilowattstunden-Bereich, die in der Heizperiode den Brennstoffbedarf für die Heizung dieses und des angrenzenden Raumes drastisch reduzieren, ja z.T. sogar überflüssig werden lassen kann zu Zeiten, n denen kompakte Räume noch eine spürbare Heizung brauchen. Bei geringer direkter Sonneneinstrahlung oder Streulicht braucht  der Wintergarten allerdings eine stärkere Heizung als Kompaktbauten wegen der auch heute noch besseren Wärmedämmung massiver Wände und Dächer. Ein Energiepuffer ist der Wintergarten auf jeden Fall, ob beheizt oder nicht. Summiert über die gesamte Heizperiode unterscheidet sich der Glasvorbau im Heizenergiebedarf je m² Nutzfläche  je nach Geometrie und Lage nur unwesentlich vom spezifischen Heizenergieverbrauch eines kompakten Wohnraumes, wenn auch die zeitweilig erforderlichen Heizleistungen sich sowohl nach unten als auch nach oben stark unterscheiden können. Ein wichtiger Grund dafür ist zusätzlich, dass im Wintergarten gewöhnlich kaum wärmespeichernde Massen verbaut sind, die Temperaturschwankungen „abpuffern“ könnten.

Anforderungen aus der Energieeinsparverordnung (EnEV) 2014 an Wintergärten [1]:

(in Kraft ab 1.5.2014)

Im Folgenden skizzieren wir die in der EnEV 2014 geforderte energetische Mindest-Qualität von Wintergärten (Hinweis Für Fachbetriebe: Einzelheiten sind dargestellt im Merkblatt 01 (2014) des Bundesverband Wintergarten e.V.: „Definition Wintergarten und Anforderungen aus der EnEV 2014“)

Unter Wintergärten sind hier die durch Außenbauteile vom übrigen Gebäude abgetrennten geschlossenen Glasvorbauten oder in Gebäudelücken eingebauten Glaskonstruktionen gemeint. Landläufig werden mitunter auch großzügig verglaste Teile eines Wohnraumes als Wintergärten bezeichnet. Bezüglich des energiesparenden Wärmeschutzes sind diese allerdings mit in die Energiebilanz des Wohngebäudes/Wohnraumes einzubeziehen.

Dieser Ratgeber richtet sich an private Nutzer. Nichtwohngebäude werden deshalb hier nicht betrachtet.

Keine Anforderungen werden in der EnEV gestellt an Wintergärten:

  • die nach ihrer Zweckbestimmung nicht oder auf Innentemperaturen von weniger als 12 °C beheizt werden,
  • die weniger als vier Monate im Jahr unter Einsatz von Energie beheizt  werdenoder
  • die für eine begrenzte jährliche Nutzungsdauer bestimmt sind, wenn der zu erwartende Energieverbrauch weniger als 25 Prozent des zu erwartenden Energieverbrauchs bei ganzjähriger Nutzung beträgt.

Die Anforderungen aus den allgemein anerkannten Regeln der Technik, insbesondere die Pflicht zur Einhaltung des Mindestwärmeschutzes nach DIN 4108-2 werden davon nicht berührt.

frei stehender "kleiner" Wintergarten:

Werden bei zu errichtenden kleinen freistehenden Wintergärten (bis 50 m² zusammenhängender Nutzfläche) von den Außenbauteilen die in Tabelle 1 (siehe unten) genannten Werte der Wärmedurchgangskoeffizienten der Außenbauteile eingehalten, gelten die übrigen Anforderungen der EnEV an den Wintergarten als erfüllt.

Wintergarten als Änderung eines Bestandsgebäudes, Erweiterung oder Ausbau

Wird ein thermisch abgetrennter Wintergarten als Änderung eines Bestandsgebäudes, Erweiterung oder Ausbau errichtet, gelten die Anforderungen der EnEV als erfüllt, wenn die Außenbauteile des Wintergartens die maximal zulässigen Transmissionswärmeverluste aus Tabelle 1 nicht überschreiten, solange kein neuer Wärmeerzeuger eingebaut wird.

„Großer“ Wintergarten

Wenn der beheizbare Wintergarten so groß wird, dass die vorhandene Heizanlage nicht mehr ausreicht und ein neuer Wärmeerzeuger (Heizkessel) installiert werden muss, dann muss der Wintergarten die Neubau-Anforderungen erfüllen. Die Höchstwerte für den Wärmeschutz der Gebäudehülle ergeben sich dann aus den Anforderungen für neue Wohngebäude.

Die Anforderungen aus den allgemein anerkannten Regeln der Technik, insbesondere die Pflicht zur Einhaltung des Mindestwärmeschutzes nach DIN 4108-2 werden davon nicht berührt.

Der Nachweis des Primärenergiebedarfs nach DIN EN 832, DIN EN 4108, DIN V 18599 wird gefordert, wenn der Wintergarten  Bestandteil der beheizten Gebäudehülle eines Neubaus ist oder mehr als 50 m² Nutzfläche hat und eine Vergrößerung/Erneuerung des Wärmeerzeugers erfordert.

 

Tabelle 1: Auszug der für den Wintergartenbau wichtigsten Kenngrößen - zur Interpretation sind im Zweifelsfall der Originaltext der EnEV 2014, Anlage 3 (Textteil) heranzuziehen.Die Bauteilbezeichnungen sind in dieser Tabelle zur Verdeutlichung für den Wintergartenbau entsprechend dem Text zu Anlage 3 der EnEV ergänzt worden (in Klammern).

Anforderungen an die Außenbauteile von beheizten Wintergärten
Anbau, Erweiterung oder Ausbau bzw. selbständiges kleines Gebäude

Zeile
EnEV

2014

Bauteil

Beheizung

RT ≥ 19 °C

12 °C < RT < 19 °C

Umax / (W/m²K)

Umax /
(W/m²K)

1

Massive Außenwände

0,24

0,35

2a

(Einzel-)Fenster, -Fenstertüren

1,3

1,9

 

(Außentüren, z.B. Haustüren,ohnerahmenlose Türanlagen aus Glas, Karussell Türen und kraftbetätigte Türen)

1,8

1,8

2b

Dachflächenfenster

(sofern nicht Bestandteil des Glasdaches)

1,4

1,9

2c

Verglasungen   (Ersatz der Verglasung oder des 
verglasten Flügelrahmens)

1,1

Keine Anforderungen

2d

Vorhangfassaden (verglaste Seitenwände des Wintergartens)1

1,5

1,9

2e

Glasdächer (Wintergartendächer)1

2,0

2,7

2f

Fenstertüren mit Klapp-, Falt-, Schiebe- oder
Hebemechanismus

1,6

1,9

3a

Fenster, Fenstertüren, Dachflächenfenster mit Sonderverglasungen (Schallschutz > 40 dB, Durchschuss Hemmung, Brandschutz)

2,0

2,8

3b

Sonderverglasungen (Ersatz der Verglasung oder des verglasten Flügelrahmens)

1,6

Keine Anforderungen

3c

Vorhangfassaden mit Sonderverglasungen

2,3

3,0

4a

Dachflächen einschließlich Dachgauben, Wände gegen unbeheizten Dachraum (einschließlich Abseiten Wänden), oberste Geschossdecken

0,24

0,35

4b

Dachflächen mit Abdichtung

0,20

0,35

5a

Wände gegen Erdreich oder unbeheizte Räume (mit Ausnahme von Dachräumen) sowie Decken nach unten gegen Erdreich oder unbeheizte Räume

0,30

keine Anforderungen

5b

Fußbodenaufbauten (auf der beheizten Seite)

0,50

keine Anforderungen

5e

Decken nach unten an Außenluft

        0,24

0,35

1) angestimmt mit DIBT, Schreiben vom 18. 9. 2009

Die geforderten U-Werte für Fassade und Glasdach beziehen sich jeweils auf das gesamte Bauteil (Verglasung, Randverbund, Profilkonstruktion, Pfosten, Riegel, Bauteilfugen). Diese Anforderung sind bei professioneller Planung und sorgfältiger Ausführung nach dem heutigen Stand der Technik auch erfüllen.

Um auch bei den vorgenannten schwach oder nur gelegentlich beheizten Wintergärten Kondensatbildung und deren nachteilige Wirkungen gering zu halten, sollten diese mit Isolierverglasung, bei metallischen Konstruktionen mit thermisch getrennten Systembauteilen ausgeführt werden.

"Warme Kante" (siehe auch Abschnitt Verglasung) sollte bei Wohnwintergärten selbstverständlich sein.

Für die Berechnung des Heizenergieverbrauches nach DIN 18559 muss auch die Abhängigkeit des U-Wertes der Isolierverglasungen von der realen Dachneigung) berücksichtigt werden (s. DIN EN 673).

Die Anforderungen an die Heizungsanlage (z.B. selbsttätig wirkende Einrichtungen zur raumweisen Regelung, ggf. Dämmung von Wärmeverteilungsanlagen) sind in jedem Falle gemäß Abschnitt 4 der EnEV 2014 einzuhalten. In der Regel erfolgt die Beheizung ohnehin durch Anschluss an die Hausheizung.

Sommerlicher Wärmeschutz (s.a. Beschattung, Belüftung)

Mitunter deuten private Bauherren die Aussage, dass ein Wohn-Wintergarten ein vollwertiger Wohnraum ist so,  ein Wohn-Wintergarten sowohl im Sommer als auch im Winter in allen Punkten wie ein „normaler“ Wohnraum zu behandeln sei. Dabei ignorieren sie seine besonderen bauphysikalischen Eigenschaften:

Geringen wärmespeichernden Massen im Wintergarten stehen große solare Gewinne gegenüber. Will man seine herausragenden Vorzüge (großes Lichtangebot, unmittelbarere Sichtverbindung zur umgebenden Natur …), die ihn für die meisten Nutzer zum bevorzugten Wohnzimmer werden lassen, nicht aufgeben, wird es insbesondere bei Süd- und Westorientierungen nicht möglich, die solaren Energieeinträge an besonders heißen Sommertagen so zu begrenzen, dass die Innentemperaturen unter den Außentemperaturen bleiben. Die sommerliche Aufheizung kann dann allein durch optimalen Einsatz aller technischen Möglichkeiten der Verglasung, Belüftung und Beschattung sowie deren automatischer Steuerung nur auf etwa 5 Grad über der Außentemperatur begrenzt werden. Um die Temperatur der durch Lüftung zugeführten Außenluft zu unterschreiten, müsste auf die Belüftung verzichtet und stattdessen mit Energieaufwand gekühlt werden, was aus Kostengründen, aber auch zur Ressourcen- und Umweltschonung vermieden werden sollte. Deshalb ist es unbedingt erforderlich, dass Bauherren und Planer bzw. Errichter von Wintergärten den beabsichtigten Aufwand für Beschattung, Belüftung und im Ausnahmefall Klimatisierung bereits bei der Planung gemeinsam mit dem Besteller konkret abwägen und Klarheit über die Folgen der Entscheidung schaffen.

Die zwingende Einhaltung einer festgelegten Maximaltemperatur, wie das z. B. bei Arbeitsstätten unerlässlich ist, ist bei geschlossenen Glasanbauten allein durch konstruktive Maßnahmen nicht möglich. Bei privaten Wintergärten ist man in der Regel nicht auf die Verfügbarkeit unter allen äußeren klimatischen Bedingungen angewiesen. An besonders heißen Tagen kann ein schattiges Plätzchen im Freien die bessere Wahl sein, wie auch auf die Nutzung des Wintergartens bei extrem niedrigen Temperaturen oft verzichtet wird, um Heizkosten zu sparen.

Was sagt die EnEV dazu? Wenn die hinzugekommene zusammenhängende Nutzfläche bei Änderung eines Bestandsgebäudes, Erweiterung oder Ausbau 50 m² übersteigt, muss der Planer den sommerlichen Wärmeschutz nachweisen. Die Einzelheiten zum sommerlichen Wärmeschutz sind in der DIN 4108-2:2013-02, Ziff. 8 geregelt.

Ein Glasvorbau wird ausdrücklich nicht als kritischer Raum herangezogen. Dennoch empfehlen wir  darauf zu achten, dass die Aufheizung des Wintergartens bei hochsommerlichen Temperaturen entsprechend den Nutzungszielen des Bauherrn durch bauliche Maßnahmen (ausreichende Belüftung, Sonnenschutzglas im Dach, außenliegender temporärer Sonnenschutz, wie Markisen, Raffstores, Rollläden,…) entsprechend den finanziellen Möglichkeiten berücksichtigt wird und Klarheit über die Konsequenzen bereits in der Planungsphase geschaffen wird.

In diese Überlegungen ist auch der an den Wintergarten angrenzende Raum einzubeziehen. So sind z.B. ausreichende Belüftungsmöglichkeiten einzuplanen, wenn der angrenzende Raum ausschließlich über den Wintergarten belüftet werden kann.

Auch bei Nutzung aller verfügbaren technischen Möglichkeiten sind im Wintergarten einige Grad über der Außentemperatur nicht zu vermeiden. Selbst bei Nachtkühlung mit erhöhter Lüftung reichen die im Wintergarten üblicherweise geringen wärmespeichernden Massen nicht aus, um die im Laufe de Tages  anfallenden solaren Gewinne zu kompensieren.

Werden bei Wintergärten technische Anlagen zur Kühlung unter Aufwendung von Energie geplant, dann ist durch eine thermische Gebäudesimulation nachzuweisen, dass die baulichen Maßnahmen zum sommerlichen Wärmeschutz soweit eingesetzt wurden, wie sich die Investitionen für diese baulichen Maßnahmen innerhalb deren üblicher Nutzungsdauer durch die Einsparung von Energie zur Kühlung erwirtschaften lassen (siehe auch EnEV 2014, Anlage 1, Ziffer 3.1.2).

 

[1] Hinweis für Fachbetriebe: Einzelheiten sind dargestellt im Merkblatt 01 (2014) des Bundesverband
      Wintergarten e.V.: „Definition Wintergarten und Anforderungen aus der EnEV 2014“



Zuletzt geändert am 16.04.2014 um 14:47.

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